Kursstand: US-Handel Freitagabend, Europa geschlossen. Neun Narrative, sortiert nach der Zahl unabhängiger Quellen — nicht nach Überzeugung.
Die Zehnjährige lag am Freitag nahezu unverändert bei 5,17 Prozent, die Dreißigjährige flach bei 5,463 Prozent. Vorausgegangen war ein Sprung am Donnerstag von über 10 Basispunkten auf zeitweise 5,223 Prozent bei der Zehnjährigen und 5,501 Prozent bei der Dreißigjährigen — Höchststände seit Juni 2007 beziehungsweise Juni 2004. Über drei Sitzungen hatte der Ausverkauf die Benchmark um rund 23 Basispunkte nach oben getrieben. Der Verkaufsdruck war global: japanische Staatsanleihen, britische Gilts und Bundesanleihen liefen mit, wobei Euroraum und Japan am Freitag bereits wieder leicht drehten. Als Ursachen nennen die Berichte übereinstimmend starke US-Konjunkturdaten, die Haushaltslage und hawkishe Fed-Reden; die Rückkaufprogramme von Finanzminister Bessent zur Deckelung der langen Laufzeiten gelten als weitgehend wirkungslos.
Das FOMC unter Kevin Warsh hob den Leitzins am 16. September einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an und begründete das mit hartnäckiger Inflation und robuster Konjunktur; Warsh sprach davon, „in timely fashion" handeln zu wollen. Die Redner dieser Woche blieben auf Linie: Michael Barr hält weitere Erhöhungen für nötig, um die Inflation auf zwei Prozent zurückzuführen, John Williams nannte eine weitere Anhebung bis Jahresende eine „reasonable" Erwartung, Anna Paulson sieht „modest further tightening" gerechtfertigt. Uneinig ist nur die Zahl: Für den 28. Oktober stehen je nach Beitrag 65 bis 77,5 Prozent — eine Spanne von 12,5 Punkten. Die Referenzgröße dahinter ist die Inflation: Der Kern-PCE lag zuletzt bei 3,34 Prozent zum Vorjahr, der Gesamtwert bei 3,70 — der höchste Stand seit drei Jahren.
Nach rund sieben Monaten Konflikt verhandeln US-amerikanische und iranische Unterhändler am Rande der UN-Vollversammlung über einen stufenweisen Ausstieg: Iran öffnet die Straße von Hormus, Washington beendet die Seeblockade. Am Freitag konkretisierte Teheran das auf sieben Tage, verlangt aber die Rückkehr zum im Juni unterzeichneten und Anfang Juli gescheiterten Islamabad-Memorandum. Die Lage ist real angespannt: Die Durchfahrten durch die Meerenge, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots läuft, sind auf neun gefallen; Saudi-Arabien hat nach einem Angriff seine 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline abgeschaltet. Der Preis: Brent 105,60 Dollar (−0,92 %) am Freitag, nach einem Hoch über 108 am Donnerstag. Auf Monatssicht steht Brent +21,9 Prozent, auf Jahressicht +55,1 Prozent. Eine Datenquelle führte denselben Freitagswert als +8,47 Prozent — ein klarer Widerspruch im Feld.
Am Donnerstag hatte der Dow 161,61 Punkte (−0,31 %) auf 51.349,98 verloren, der S&P 500 schloss 1,90 Punkte (−0,02 %) tiefer bei 7.704,13, der Nasdaq praktisch unverändert bei 26.939,37. Am Freitag drehte die Stimmung mit dem Ölpreis: Eine Zusammenfassung nennt S&P +0,18, Dow +0,25 und Nasdaq +0,13 Prozent bei einem Russell 2000 −0,11; Live-Berichte derselben Sitzung führten zwischenzeitlich S&P +0,5, Nasdaq +0,6 und Dow +421 Punkte (+0,8 %). Auf Wochensicht steuert der Dow auf die vierte Verlustwoche in Folge zu, während S&P und Nasdaq mit Gewinnen von rund 0,7 und 1,6 Prozent herauskommen. Einzelwert des Tages war Akamai mit rund +5 Prozent nach einem mehrjährigen Abkommen mit Anthropic.
Der ifo-Index kletterte von 88,8 im August auf 89,9 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2023; Unternehmen bewerteten Lage und Aussichten besser. Die fünf führenden Institute hoben in ihrer Gemeinschaftsdiagnose die Prognose für das preisbereinigte BIP 2026 auf 1,3 Prozent an und verwiesen auf „überraschend stark" gestiegene Exporte und Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe. Getragen hat das den Markt nicht: Der DAX schloss −0,57 Prozent bei 25.267 Punkten, MDAX und TecDAX verloren 1,39 und 1,35 Prozent. Im HDAX standen 23 Gewinnern 82 Verlierer gegenüber, das Abwärtsvolumen dominierte mit 77 Prozent. Geldpolitisch hat auch die EZB im September um 25 Basispunkte erhöht; Lagarde erwartet die Inflation bis in die erste Hälfte 2027 „well above target" und sieht Wachstumsrisiken nach unten, Inflationsrisiken nach oben.
Bitcoin eröffnete den Freitag bei 84.378 Dollar und stieg im US-Vormittag auf rund 85.200; am Mittwoch hatte der Kurs mit 87.265 Dollar ein Achtmonatshoch erreicht. Ether lief parallel bei rund 2.690 bis 2.740 Dollar, nach einem Wochenhoch um 2.804. Beide stehen auf Wochensicht nahe +10 Prozent. Die Fondsseite hat sich gedreht: Nach Abflüssen von rund 450 Millionen Dollar allein am 15. September kamen an drei Sitzungen im Verbund rund 2 Milliarden zurück; seit dem 19. August summieren sich die Zuflüsse auf etwa 4,6 Milliarden Dollar, womit die Jahresabflüsse getilgt sind. Auf Ether-Seite stützt die Aussicht auf Staking-Produkte — die Staking-Quote liegt bei 34,2 Prozent des Angebots, rund 41 Millionen ETH und über 77 Milliarden Dollar, bei Renditen von etwa 2,8 bis 3,5 Prozent. Bitcoins Marktkapitalisierung: rund 1,33 Billionen Dollar.
Gold notierte am 25. September bei etwa 4.299 Dollar je Feinunze (+0,56 %), nachdem es in der Woche zeitweise um 4.270 gehandelt worden war. Über einen Monat steht ein Minus von 6,42 Prozent, über zwölf Monate ein Plus von rund 14 Prozent — der kleinste Jahresabstand seit langem. Als Belastung nennen die Berichte übereinstimmend den festeren Dollar und die Renditen auf Mehrjahreshochs: Wenn zehnjährige Staatsanleihen über fünf Prozent zahlen, verteuert sich das Halten eines zinslosen Metalls spürbar. Auf der anderen Seite stehen die strukturellen Argumente, die unverändert zitiert werden: Rekordkäufe der Notenbanken, hartnäckige Inflation weltweit und ein Minenangebot, das nur um ein bis zwei Prozent im Jahr wächst.
EUR/USD notierte am Freitag bei 1,1389 (+0,07 %). Der Dollarindex hatte zuvor 101,40 erreicht, den höchsten Stand seit Ende Juli, und konsolidierte am Freitag Richtung 101,00. Damit steuert der Dollar auf die zweite Gewinnwoche in Folge zu. Der Treiber ist eindeutig die geldpolitische Neubewertung: Die Fed hat am 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht und weitere Schritte in Aussicht gestellt, während die EZB zwar ebenfalls gestrafft hat, der Zinsvorsprung der USA aber wächst. Bemerkenswert ist, dass die europäischen Daten — ifo auf Dreijahreshoch, angehobene Wachstumsprognose — dem Euro nicht geholfen haben.
Für das dritte Quartal erwarten die Schätzungen ein Gewinnwachstum von +24 Prozent gegenüber Vorjahr — das achte Quartal zweistelligen Wachstums in Folge, wobei 14 von 16 Sektoren positiv beitragen. Der Startschuss fällt mit den Großbanken am 13. Oktober. Im Hintergrund läuft der Investitionszyklus weiter: über 700 Milliarden Dollar allein für KI-Rechenzentren bei den fünf größten Anbietern. Die Konzentration ist das eigentliche Thema — 65 bis 75 Prozent der Renditen, Gewinne und Investitionen im S&P 500 seit Ende 2022 entfallen auf rund 42 KI-nahe Unternehmen. Die Bewertungen spalten die Beiträge: Einige verweisen auf Umsatzmultiplikatoren über 30 bei führenden KI-Titeln, andere auf Nvidias 99 Milliarden Dollar Gewinn der letzten zwölf Monate bei 53 Prozent Nettomarge und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis um 22.
Ein starkes Narrativ ist nicht automatisch eine gute Position. Was alle schreiben, steht meistens schon im Kurs. Interessant wird es weiter rechts in dieser Liste — dort, wo die Quellen sich widersprechen oder kaum jemand hinschaut. Ein hohler Punkt markiert echten Dissens zwischen den Quellen.
Zehn Quellen, dieselben Zahlen. Die Renditen sind das Ereignis selbst — hier gibt es nichts mehr zu entdecken.
Dass die Fed erhöhen dürfte, weiß jeder. Wie sicher, weiß niemand: acht Quellen, acht Zahlen zwischen 65 und 77,5 Prozent, alle angeblich aus derselben Datenquelle.
Dass es am Freitag aufwärts ging, ist Konsens. Ob um 0,18 oder 0,5 Prozent, beantworten zwei Berichte derselben Sitzung gegensätzlich.
Die Zahlen stehen überall. Offen bleibt, warum das beste ifo seit drei Jahren zweimal hintereinander wirkungslos verpufft ist.
Die Dollarstärke ist beschrieben. Dass sie die europäische Aktienperformance für Dollar-Anleger umdreht, rechnet kaum jemand vor.
Der Rückgang ist alt und gut erklärt. Neu wäre die Frage, warum die Krisenprämie aus dem Iran-Konflikt hier praktisch nicht ankommt.
Zuflüsse und Kurs sind gemeldet. Was beide zusammen bedeuten — Milliarden hinein, Jahresbilanz tief im Minus — steht nirgends.
Sieben Tage bis zur Öffnung — oder gar nicht. Die Quellen widersprechen sich schon bei der Tagesveränderung des Brent-Preises, geschweige denn bei den Chancen des Abkommens.
Beide Zahlen sind bekannt, zusammengerechnet werden sie nirgends. Das ist die Stelle, an der diese Woche am wenigsten hingeschaut wird.
Ereignisrisiko der kommenden Termine: Die nächsten fünf Handelstage sind ungewöhnlich dicht mit genau jenen Daten belegt, die den Zinspfad bestimmen — PCE-Deflator am Mittwoch, Arbeitsmarktbericht am Freitag. Beide treffen auf einen Markt, der eine Erhöhung am 28. Oktober bereits mehrheitlich eingepreist hat: Eine Bestätigung bewegt daher wenig, eine Abweichung viel. Das zweite, schlechter terminierbare Risiko ist Hormus — ein Durchbruch oder ein Abbruch der Gespräche kann den Ölpreis über Nacht um mehrere Prozent verschieben und damit alles verschieben, was in dieser Ausgabe an ihm hängt: Renditen, DAX, Goldpreis. Die Ebene „eingepreist" sagt dabei nichts über die Richtung, nur darüber, wie viel Neues in einer Nachricht noch stecken kann.